Entstehung und Historie

1844 steht am Beginn der fast 175-jährigen Geschichte der Artillerie ein Name: Carl Lorenz. Der Lübbecker Kupferschmied zeigte sich großzügig und machte dem Bataillon eine von ihm gefertigte Böllerkanone zum Geschenk. Denn in jenem Jahr feierten die Bürgerschützen das 300-jährige Bestehen - fälschlich, wie sich später herausstellte, nachdem ein Dokument aufgetaucht war, dass den Ursprung der Lübbecker Schützentradition
(mindestens) auf das Jahr 1492 vordatiert. Die Stiftung zog Kreise.

 

Zwei weitere Kanonen wurden angeschafft - die dritte war ein Geschenk des neuen Königs Carl Meyrahn - und das Fest dieses Jahr startete mit gewaltiger Lautstärke. Mitte der 1940er Jahre wurden die Kanonen von den Alliierten eingezogen, explodierten im Rathaus und machten Ersatz
notwendig. 2008 war das Kanonen-Quartett wieder komplett.

 

Leutnant Emil Ohly war von 1844 bis 1852 erster Kommandant der Artillerie. ln den folgenden Jahren machte ein anderer Ausmarschierer namens Ohly von sich reden. 1860 wurde der Apotheker Emil Ohly Schützenkönig und trat im selben Jahr sein Amt als Platzmajor an, das er bis 1883 innehatte. Einer seiner Ur-Ur-Enkel Klaus-Wilhelm von Behren, trat in seine Fußstapfen und übernahm rund 140 Jahre später diese Aufgabe.


"Hic est qui venit per" ("Dieser ist's, der da kommt") ist das Motto der Artillerie, deren 14 Mitglieder zum Beginn des Schützenfestes (beim Antreten in der Stadt) die Kanonen zum Einsatz bringen, den Schießstand betreuen und in Stand halten, die Bevölkerung mit Donnerschlägen über das Ende des Königsschießens informieren und mit Salutschüssen auch den Blasheimer Markt eröffnen. Das Stopfen der Kartuschen wird von geschulten
Artilleristen vorgenommen. Spätestens alle fünf Jahre werden die Kanonen in einem abgelegenen Tal im Rheinland Tests mit hoher Pulverladung unterzogen. Sicherheit hat oberste Priorität.


Auch mit kleineren Waffen können die Artilleristen umgehen. Das bewies Ernst-Ludwig Barre gleich zweimal. 1970 wurde der Brauereichef (und Bataillonsordensträger) Schützenkönig. Das war schon seine zweite Regentschaft, wobei freilich der erste Erfolg im Jahr 1958 nur mit einer "Sondergenehmigung" seines Vaters zustande kam.

Bekannte Lübbecker standen an der Spitze der Artillerie Kaufmann Anton Kolck (1956 bis 1966), Gerhard Gerlach-Hollmann (1966 bis 1974), Ernst-Ludwig Barre (1974 bis 2003), Robert Broich (2003 bis 2010) und Thomas Broich (2010 bis 2016) als unmittelbarer Nachfolger.

 

Historisches Brauchtum schätzen die Artilleristen, treten deshalb beim Freischießen in Minden und Nienburg an, aber auch zum Vorderladervergleichs- oder Tontaubenschießen. Selbstverständlich stehen auch Besuche in den Lübbecker Partnerstädten in Frankreich, Ungarn und England auf dem Programm.